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Ausbau erneuerbarer Energie

Hinweis

Alle unsere Abbildungen sind interaktiv: im oberen rechten Bereich jeder Abbildung finden Sie Buttons, mit denen Sie zoomen können. Einzelne Zeitreihen können durch Klicken in der Legende ein- und ausgeblendet werden.

Photovoltaik

Für die Photovoltaik hat sich die Bundesregierung im Rahmen der geplanten Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) ein Ausbauziel von 215 GW bis zum Jahr 2030 gesetzt. Ende November 2021 betrug die in Deutschland installierte Leistung nach Angaben der AGEE-Stat gut 58 GW. Zur Erreichung des Ziels müssen bis Ende 2030 somit im Durchschnitt rund 1,4 GW pro Monat zugebaut werden (blau gestrichelte Linie im Diagramm, Zeitverlauf mit Zwischenzielen aus EEG-Entwurf). Dieser Zubau muss netto erfolgen, also unter Berücksichtigung der im Zeitverlauf vom Netz gehenden Altanlagen. Zuletzt war der Ausbau deutlich geringer. Würde der PV-Zubau dem Trend der Jahre 2017-2021 weiter folgen, könnten bis Ende 2030 lediglich knapp 92 GW erreicht werden (orange gestrichelte Linie). In den letzten zwölf Monaten war das Ausbautempo nur leicht höher, auch eine Fortführung dieses Trends würde das Ziel sehr deutlich verfehlen (rot gestrichelte Linie). Zur Erreichung des 215-GW-Ziels im Jahr 2030 muss der Ausbau also mehr als drei mal schneller erfolgen als im Trend der letzten zwölf Monate. Nach dem Jahr 2030 soll die PV-Leistung weiter kontinuierlich wachsen, auf 400 GW im Jahr 2040.

Zum Vergleich können in der Abbildung auch Szenarien des Ariadne-Projekts eingeblendet werden. Das PV-Ziel der Koalition für das Jahr 2030 liegt am oberen Ende des von den Ariadne-Szenarien aufgespannten Korridors (hier ohne das Modell TIMES). Das Ariadne-Leitmodell für den Ausbau erneuerbarer Energien, REMIND, liegt im Technologiemix-Szenario 2030 praktisch auf dem Ziel der der Koalition. Nach 2030 steigt die PV-Leistung in den Ariadne-Szenarien weiter an. Die von der Bundesregierung langfristig angestrebten 400 GW werden allerdings nur in manchem Szenarien und auch erst nach dem Jahr 2040 erreicht.

Windkraft

an Land

Für die Windkraft an Land strebt die Ampel-Koalition laut geplanter Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) eine installierte Leistung von 115 GW im Jahr 2030 an. Im Monat November 2021 betrug die in Deutschland installierte Leistung nach Angaben der AGEE-Stat knapp 56 GW. Zur Zielerreichung müssen also bis Ende 2030 im Durchschnitt gut 0,5 GW pro Monat (wiederum netto) zugebaut werden. Nach dem Jahr 2030 strebt die Regierung einen weiteren Ausbau der Kapazität auf 160 GW im Jahr 2040 an.

Zum Vergleich können in der Abbildung auch Szenarien des Ariadne-Projekts eingeblendet werden. Die Ziele der Koalition für den Ausbau der Windkraft an Land liegen ungefähr in der Mitte des von allen Ariadne-Szenarien aufgespannten Korridors, der breiter ist als der Zielkorridor bei der Photovoltaik. Das Ariadne-Leitmodell für den Ausbau erneuerbarer Energien, REMIND, liegt im Technologiemix-Szenario dauerhaft etwas über dem Ziel der Koalition.

Für die Nutzung der Windenergie an Land sollen dem Koalitionsvertrag zufolge "zwei Prozent der Landesflächen ausgewiesen werden", wobei kein Zieljahr genannt wird. Bundesweit waren dem jüngsten Bericht des Bund-Länder-Kooperationsausschusses zufolge zum 31.12.2020 0,70 Prozent der Fläche rechtswirksam für Windenergie an Land ausgewiesen (unterer Korridor ohne Doppelzählungen, Flächenfestlegungen entweder ausschließlich auf Ebene der Raumordnung oder auf Bauleitplanebene). Dem Entwurf des Gesetzes zur Erhöhung und Beschleunigung des Ausbaus von Windenergieanlagen an Land zufolge waren es im Jahr 2021 0,8 Prozent (wobei nur 0,5 Prozent tatsächlich verfügbar seien). Ende des Jahres 2026 sollen demnach im Mittel aller Bundesländer 1,4 Prozent erreicht werden, Ende 2032 dann zwei Prozent. Um das Ziel zu erreichen, muss der heutige Anteil somit mehr als verdoppelt werden.

auf See

Für die Windkraft auf See strebt die Koalition im Rahmen des sogenannten Osterpakets eine Leistung von mindestens 30 GW im Jahr 2030 an. Im Monat November 2021 betrug die in deutschen Gewässern installierte Leistung nach Angaben der AGEE-Stat 7,8 GW. Um das Ausbauziel zu erreichen, müssen bis 2030 im Durchschnitt ca. 0,2 GW pro Monat (netto) zugebaut werden. Danach soll die installierte Leistung weiter stark wachsen, auf mindestens 40 GW im Jahr 2035 und 70 GW im Jahr 2045.

Zum Vergleich können in der Abbildung auch Szenarien des Ariadne-Projekts eingeblendet werden. Das Ziel der Koalition für den Ausbau der Windkraft auf See im Jahr 2030 liegt über dem von allen Ariadne-Szenarien aufgespannten Korridor. Das Ariadne-Leitmodell für den Ausbau erneuerbarer Energien, REMIND, liegt im Technologiemix-Szenario 2030 nur gut halb so hoch wie das Ziel der der Koalition. Der Ausbau der Windenergie auf See nimmt in den Ariadne-Szenarien erst nach 2025 Fahrt auf. Bis 2045 steigt die auf See installierte Windkraftleistung dann sehr unterschiedlich an, im Extremfall auf bis zu 80 GW im Jahr 2045. Die Ziele der Bundesregierung liegen durchgängig im oberen Bereich des Ariadne-Szenarienkorridors.

Anteile im Stromsektor

Die Regierungskoalition strebt an, den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostrombedarf (bzw. Bruttostromverbrauch, BSV) bis zum Jahr 2030 auf 80 Prozent zu steigern. Statistische Daten zu diesem Indikator werden vom BMWK grundsätzlich jährlich bereit gestellt, z.B. hier oder hier. Im Jahr 2020 betrug der Anteil 45,1 Prozent, im Jahr 2021 waren es nur noch 41,9 Prozent, wobei diese Angaben noch nicht endgültig sind (*). Dieser Rückgang dürfte weitgehend durch den im Jahr 2020 pandemiebedingt deutlich niedrigeren Stromverbrauch und durch ein relativ schlechtes Windjahr 2021 bedingt sein. Zur Erreichung des 2030-Ziels muss der Anteil ab 2021 im Durchschnitt um über vier Prozentpunkte pro Jahr wachsen. Ab 2035 soll laut der geplanten Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) "die Stromerzeugung im Bundesgebiet nahezu treibhausgasneutral erfolgen", was wir in der Abbildung mit einem Anteil erneuerbarer Energien von 95 Prozent gleichsetzen.

Ergänzend können in der Abbildung auch die Anteile erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung (NSE) dargestellt werden (durch Klick auf den entsprechenden Eintrag in der Legende). Sie werden im Rahmen der energy-charts des Fraunhofer ISE regelmäßig aktualisiert und liegen somit sehr viel früher vor als der im Koalitionsvertrag genannte Indikator. Die Abbildung zeigt die vorläufigen Daten, die zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung dieser Webseite verfügbar waren, d.h. im Lauf des Jahres kann sich der Anteil aufgrund saisonaler Effekte noch deutlich verändern (*). Die Anteile erneuerbarer Energien an der NSE und am BSV unterscheiden sich unter anderem deshalb, da der Nenner im ersten Fall aufgrund des Kraftwerkseigenverbrauchs geringer ist.

Zum Vergleich können in der Abbildung auch Szenarien des Ariadne-Projekts eingeblendet werden. Das Ziel der Koalition für den Anteil der erneuerbaren Energien im Jahr 2030 liegt in dem von allen Ariadne-Szenarien aufgespannten Korridor. Das Ariadne-Leitmodell für den Ausbau erneuerbarer Energien, REMIND, liegt im Technologiemix-Szenario 2030 mit 87 Prozent sogar über dem Ziel der Koalition von 80 Prozent. Nach 2030 steigt der Anteil in den meisten Ariadne-Szenarien auf über 90 Prozent an.

Wärmepumpen

Mit Wärmepumpen kann Umweltwärme nutzbar gemacht werden. Dies spielt in vielen Zukunftsszenarien insbesondere für den Raumwärmebereich eine große Rolle. Die Regierung hat in ihrem Koalitionsvertrag kein Ziel für den Ausbau von Wärmepumpen genannt - der Begriff "Wärmepumpe" wird im gesamten Dokument kein einziges mal verwendet. In der Eröffnungsbilanz Klimaschutz des BMWK wird jedoch ein Korridor von "4,1 bis 6 Millionen Wärmepumpen" im Jahr 2030 genannt, wobei diese Zahl sich auf die Bereitstellung von Raumwärme in Einzelgebäuden beziehen dürfte (ohne Großwärmepumpen in Wärmenetzen und ohne Hochtemperaturwärmepumpen). Wir stellen in der folgenden Abbildung die Mitte dieses Korridors als Ampel-Ziel dar und zeigen zudem die historische Entwicklung des Bestands. Bis 2030 müssen somit jährlich rund 0,4 Millionen Wärmepumpen zugebaut werden. Als Datenquelle bis 2020 dient EurObserv'ER, der Bestand des Jahres 2021 ist abgeschätzt (*) mit Absatzzahlen des BWP.

Zum Vergleich können in der Abbildung auch Szenarien des Ariadne-Projekts eingeblendet werden. Das Leitmodell für Wärmepumpen, REMod, ermittelt im Technologiemix-Szenario einen Bestand von 5,3 Million Wärmepumpen im Jahr 2030 (in Einzelgebäuden), was ungefähr dem Regierungsziel entspricht. Bis 2045 wächst dieser Wärmepumpen-Bestand auf rund 15 Millionen an. Außerdem können die Wärmepumpen-Ausbaupfade vier weiterer Studien verglichen werden, die gemeinsam mit den Ariadne-Szenarien als "Big 5"-Szenarien bezeichnet wurden, nämlich "Klimaneutrales Deutschland 2045" von Agora Energiewende, "Klimapfade 2.0" (Zielpfad) des BDI, "Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität" (Szenario KN100) der Dena, sowie die "Langfristszenarien 3" (Szenario TN-Strom) des BMWK. Bis 2045 ist der Wärmepumpen-Zubau in den BMWK-Langfristszenarien besonders hoch, in der Dena-Leitstudie ist er am niedrigsten.

Anteile im Wärmebereich

Die Koalition strebt "einen sehr hohen Anteil Erneuerbarer Energien bei der Wärme" an. Als quantiatives Ziel für 2030 enthält der Koalitionsvertrag jedoch kein explizites Ziel für erneuerbare Energien, sondern die Formulierung, dass bis zum Jahr 2030 50 Prozent der Wärme "klimaneutral" erzeugt werden müssen. Da andere Optionen wie importierter klimaneutraler Wasserstoff oder CO2-Abscheidung im Wärmebereich bis 2030 jedoch eher unrealistisch erscheinen, interpretieren wir das genannte Ziel hier daher leicht abweichend vom Wortlaut als Erneuerbare-Energien-Ziel. Im Jahr 2021 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte (einschließlich Fernwärmeverbrauch) den Daten der AGEE-Stat zufolge 16,5 Prozent. Bis 2030 muss dieser Anteil demnach jährlich um fast vier Prozentpunkte steigen und damit sehr viel stärker als in den vergangenen Jahren.


Letztes Update: 2022-08-30